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.aufzeichnensysteme / literatur stadtschreibeblog ist eröffnet!

Sichten von Konrad Behr

Wir sind am 21.12. dabei:

Kleinstadtschrieb von Seraina Leuenberger:

Wir woanders:

was sich zeigt wird sichtbar

Veröffentlicht in Bericht.

was sich zeigt wird sichtbar

Liebe

Bewohnerinnen und Bewohner,
Besucherinnen und Besucher von Augustusburg…

Nichts geht ohne RAUM. Und ohne einen Anfang geht es nicht weiter. Sie sehen hier den ANFANG von ETWAS in einem RAUM.

Hier entsteht ETWAS in einem RAUM.
Als Spielraum, Projektionsraum, Ausstellungsraum

von: Margarete Kiss, Konrad Behr, Hanne Römer
mit: der Stadt, dem Ort Augustusburg und Ihnen, den Bewohnerinnen und Bewohnern, den Besucherinnen und Besuchern von Augustusburg

und zwar bereits JETZT, indem Sie diesen Raum, den Sie vorher vielleicht kaum oder gar nicht wahrgenommen haben, plötzlich wahrnehmen, betrachten, dieses lesen, sich wundern, schon vorher gewundert haben, sich fragen, was das soll oder sich freuen, daß hier etwas passiert ohne noch zu wissen, was, sich ärgern oder nicht verstehen was das hier soll, sich mit anderen bereits darüber austauschten oder austauschen werden, was das denn hier ist oder werden oder sein soll, indem Sie sich und anderen Fragen stellen und bald vielleicht mit uns auf die eine oder anderer Weise in Kontakt, ins Gespräch kommen und damit ein Teil von ETWAS, von diesem RAUM werden werden….

VorGeschichte …

Foto: © Hanne Römer .aufzeichnensysteme

ETWAS 1 (Hohe Straße 8 / ehem. Damen-Herren-Friseursalon) und ETWAS 2 (Untere Schloßstraße 3) – so nennen wir die beiden, vormals leerstehenden, Räume, die wir ausgekundschafteten, denen wir zukünftig als Schaufenster, Lithfaßsäule, Lichtraum, szenischer Raum ein Gesicht nach Außen geben, die überraschend in immer neue Erscheinung treten werden. Vielleicht zeigt sich dabei / tragen Sie dazu bei, daß hier Etwas und Weiteres entsteht, gern wüssten wir, welche VorGeschichte(n) diese 2 Orte haben, seit wann sie leerstehen … usw.

… was heisst das?

Etwas bezeichnet einerseits das „wenige“ im Unterschied zu „viel“ oder zu „gar nichts“, steht also in der Mitte dazwischen. Andererseits steht es für Undefiniertes, irgendwie Nebulöses, somit auch Offenes. Mit dieser Mehrfachbedeutung spielen wir ganz bewußt. Denn Etwas ist nicht nur besser als Nichts, es hält auch stets offen, was passieren wird, arbeitet also mit der Situation der Ungewißheit, die ein starkes aktuelles Thema ist, das
uns alle in zeitlich immer kürzeren Abständen betrifft.

Ungewiß war alles schon immer, aber noch nie so weitreichend und unabsehbar. Mit dieser, in dem Wortspiel mit ETWAS, steckenden Anspielung auf unabsehbare Veränderungen, möchten wir etwas / ein wenig die Angst vor dem Ungewissen nehmen und Mut machen, mit Veränderung umzugehen, trotzdem etwas, vielleicht etwas neues
auszuprobieren, Ungewißheit auch als Spielraum von Veränderung zu sehen.

… unsere arbeit …

Foto: © Hanne Römer .aufzeichnensysteme

Wir arbeiten künstlerisch vor allem mit realen Bedingungen, also mit allem, was wir vorfinden. So haben wir zunächst vorgefundenes, vergessenes Mobilar, alltägliche Gebrauchsgegenstände dieser Räume in einer bestimmten Anordnung „gesetzt“, in diesen Fenstern für eine Betrachtung inszeniert. Sie ist eine Art eingefrorene Szene, ein Filmstill
aus dem Film, den sie selbst zeigt, der den Weg zu ihr zeigt, ein Raum der sich selbst im Film zeigt, ein Bild im Bild, das Inneres nach Außen kehrt, das Außen nach Innen holt. Diese Szene, auf die nun BetrachterInnen auf ihrem Weg wie zufällig treffen, in die sie damit selbst hineingeraten, löst etwas aus, trifft auf etwas Inneres, wird verinnerlicht, löst Erinnerung aus oder Vorstellungen…

… ist das kunst?

Ja, das ist bereits Kunst, die SIE auch selbst merken, selbst sind, innerlich besitzen. Ohne Ihren Blick durch dieses Fenster, in diesen Raum, der als Minimal-Szene in allen Details auf IHREN BLICK zugeschnitten wurde, ist dieser Raum, ist diese Szene nicht da / Nichts. Also ist dies bereits eine ZUSAMMENARBEIT auf der Ebene eines Blickes. Wenn Sie bislang allein Bilder, Skulpturen, Architektur, Grafik, Literatur etc., Bücher, Museen,
Ausstellungsräume als Kunst wahrgenommen haben, wenn Sie bislang die Vokabeln „teuer“ oder „berühmt“ mit Kunst gleichgesetzt haben, dann ist das in Ordnung. Wir machen eine Kunst, die sich mit dem Leben und dem Lebendigen auseinandersetzt und dabei Zusammenhänge und Mißstände an die Oberfläche transportiert. Wir sind insofern Katalysatoren gesellschaftlicher Prozesse…

Wechselnde Szenen – Szenenwechsel

Es handelt um eine Installation im öffentlichen Raum, auf dessen Nicht-Nutzung wir damit hinweisen. Indem wir diesen bespielen, filmisch, akustisch, musikalisch, literarisch, poetisch, szenisch immer Etwas zeigen, machen wir zuvor unbeachteten städtischen Raum, vorhandenen Bestand (Resourcen) und Infrastrukturen sichtbar.

Digitale und „wirkliche“ Welten

Wichtig ist es uns, auf die Unterscheidung von digitalen und analogen Prozessen aufmerksam zu machen, weshalb wir beide miteinander verlinken oder in ungewöhnlicher weise scheinbar „altmodisches“ und „moderne Technik“ kombinieren. Das Digitale spielt aktuell eine bedeutende Rolle, rückt in seiner Umkehrung die Beziehungen in Echtzeit
wieder in den Fokus. Im Künstlerischen Prozess z.B. fehlt den Auftretenden / Agierenden das abwesende Publikum, wenn die Inszenierung wie eine Alleinunterhaltershow gestreamt wird, andererseits das Publikum allein, abgetrennt ist von der Kunst, also die Erlebnisräume spürbar getrennt sind, ähnlich wie durch die Glasscheiben unserer Schaufenster. Konzeptuell greifen hier also verschiedene Themen ineinander, die uns sehr
wichtig sind.

Die Sicht frei machen – Leere füllen – Unsichtbares sichtbar machen

Wir möchten uns in dieser Form durch die Sichtfenster zur Straße und zur Stadt öffnen, sichtbar werden, indem wir diesen Ort und damit wiederum Interessen von BetrachterInnen sichtbar machen, Aufmerksamkeit wecken, etwas beleben, wachsen lassen: öffentliche Aufmerksamkeit. Projiziert auf das hauchfeine Projektionspapier der .aufzeichnensysteme zeigen wir Arbeitsprozesse, geben wir Einblicke in unser Denken / Handeln durch analoge Sichtfenster …

Fenster-Augen – Projektionsraum – Schaufenster

Die Fenster sind unsere Augen, in die wir Sie schauen lassen möchte, auf das was wir sehen und reflektieren möchten: Diese Stadt, ihre Räume und Menschen als Potential. Für Zukünftiges. Als Schnittstelle von Innen- und Außen /Raum / Körper stehen wir uns an einer Stelle gegenüber, die den aktuellen Stand menschlicher Beziehungen schmerzlich bezeichnet: wir dürfen uns nur auf Distanz begegnen. Aber wir können einander sehen,
unseren Blick sprechen lassen. Wir können Dinge und Gesten aktivieren.

ANFANG

ist eine erste künstlerische Setzung ineinandergreifender filmischer, literarischer, performativer, installativer, öffentlich-räumlicher Intervention im Format von ETWAS und daher der Titel. Am Anfang steht der Raum selbst und stellt das Thema des Anfangs in den Raum. Deshalb ANFANG. Jeder Raum ist lokale Geschichte, der wir seit einem Monat auf
den Grund gehen und in den kommenden Monaten weiter auf den Grund gehen möchten. Mit der gemeinsamen filmische Arbeit inszeniert und dokumentiert dieser ANFANG beispielhaft, wie jede Arbeit von Kunst am öffentlichen Raum anfängt: es muss erst etwas herausgefunden, organisiert, aufgebaut, koordiniert, gemeinsam transportiert werden – ein Kraftakt also, bevor sich ETWAS zeigt. Dieser ANFANG sowie unserer gesamte künstlerische Zusammen-/Arbeit wird mit dem Ort künstlerisch verwoben. So setzen wir Räume, Dinge, Geschichten, die scheinbar vergangen, unbrauchbar und nutzlos geworden sind in eine neue Bedeutung und aktualisieren sie.

EINSCHRÄNKUNGEN – aktuell

Als Ort von direkter Begegnung und Kommunikation müssen wir ETWAS 1 und ETWAS 2 leider zunächst noch geschlossen und ohne Veranstaltungstermine halten. Auch die Eröffnung am 7.11. musste online geschehen. Daher sind die Szenen, die Sie hier und in Etwas 1 / 2 betrachten, uns darin auch zeitweise arbeiten sehen können, Eröffnungsszenarien, also namentlich der ANFANG, der als erstes die Räume selbst in Erscheinung bringt.

ETWAS 1 und ETWAS 2, das Lehngericht, stadtschreibBlog, Film, Ort, Mobiliar, städtischer und architektonischer Raum, KünstlerInnen und BetrachterInnen werden somit, sind in unserer Wahrnehmung bereits, ein gemeinsamer (dramaturgischer) Raum, ein zukünftiger open stage für Inszenierungen medial aller Art.

Zukünftiges, Zurückliegendes und Aktuelles finden Sie unter:
WWW.AUGUSTUSBURG.BLOG
zu dem wir sie herzlich einladen.

Alles bleibt ungewiß, aber ETWAS passiert immer…
Danke für Ihre Zusammenarbeit, wir hoffen Sie bald / immer wieder wieder zu sehen…

© Margarete Kiss / Konrad Behr / Hanne Römer .aufzeichnensysteme
TEAM MKH – die tun was